Alles redet heute über Digitalisierung und Digitale Transformation – die Begriffe werden schon fast inflationär und gerne auch synonym verwendet, ohne das immer ganz klar ist, was eigentlich damit gemeint ist. Und nicht selten dienen sie vor allem dafür, Angst zu machen. Wir haben mal versucht, beide Begriffe und die aus unserer Sicht wesentlichen Auswirkungen kurz zusammenzufassen:

Technisch betrachtet bedeutet Digitalisierung, dass Informationen und Medien – Text, Ton, Bild, Video, Daten von Instrumenten und Sensoren – in Einsen und Nullen umgewandelt werden. Die Daten sind nahezu unbegrenzt speicherbar, gleichzeitig sind die Kosten für die Vervielfältigung von Information vernachlässigbar, es entstehen nur geringe Zusatzkosten, ein- und dieselbe Information mehreren Empfängern zuzustellen. Durch die rasante Entwicklung der Infrastruktur lässt sich von fast jedem Punkt der Erde auf jede digitale Information zugreifen. Diese Entwicklung begann in den 1980er Jahren mit der flächendeckenden Einführung von Computern in Unternehmen, in deren Folge stetig Prozesse automatisiert wurden. Die Globalisierung beschleunigte den Prozess der Digitalisierung exponentiell.

Brynjolfsson und McAfee bezeichnen diesen Wandel als Computerzeitalter, zweites Maschinenzeitalter oder Anthropozän (das Zeitalter, in dem der Mensch den größten Einflussfaktor auf die Welt darstellt). Dieser digitale Wandel wird als Digitale Transformation bezeichnet. Er wird zusätzlich durch leistungsfähige künstliche Intelligenz, die zunehmende digitale Vernetzung der Menschen sowie die gute wirtschaftliche Lage beschleunigt.

Am Anfang der digitalen Transformation stand für Unternehmen der zielgerichtete Einsatz digitaler Technologien, jetzt stehen die Einführung neuer Arbeitsmethoden sowie die Veränderung von Organisationsstrukturen und Geschäftsmodellen im Vordergrund. Um Entwicklungspotenziale in Zukunftsmärkten erschließen zu können, müssen Unternehmen ihre Wertschöpfungsprozesse zum Teil radikal umgestalten.

Utho Creusen, einer der führenden Theoretiker zumThema „Digital Leadership“,  leitet daraus zwei Megatrends für Unternehmen ab:

Megatrend 1: Von der Prognose- zur Adaptionslogik:

Waren früher Planungen und Prognosen die Basis für unternehmerisches Handeln, ist es heute essentiell, schnell auf Entwicklungen reagieren zu können. Unternehmen müssen heute eine hohe Flexibilität aufweisen, um auf die Vielzahl von Neuentwicklungen und die Geschwindigkeit, mit der sie auf den Markt kommen, vorbereitet zu sein. Unternehmen handeln nicht mehr nur aus sich heraus, sondern sind auf Netzwerke zwischen Mitarbeitern, Kunden und Partnern angewiesen. Sie müssen agil handeln und offen für ein experimentelles Vorgehen sein.

Megatrend 2:  Von der Maschine zu Netzwerken:

Vor allem die industrielle Produktion war über fast ein Jahrhundert von einer hohen Arbeitsteilung geprägt, Prozesse wurden kleinteilig zerlegt, damit sie von Menschen, die Maschinen bedienten, umgesetzt werden konnten. So konnte eine hohe Effizienz erreicht werden, gleichzeitig hatte der einzelne Mitarbeiter aber über seinen eigenen Arbeitsschritt hinaus kaum den Blick auf größere Zusammenhänge.

Heute werden Produkte mit mobilen Diensten und der Datencloud kombiniert, was zu völlig neuen Wertschöpfungsketten über das physische Produkt hinausführt. Für Unternehmen bedeutet Vernetzung vor allem, dass ein Wechsel in der Haltung vom „Ich“ zum „Wir“ stattfinden muss. Das „Wir“ schließt dann auch Partner und Wettbewerber ein. Schnittstellen, sogenannte APIs, sorgen schon heute dafür, dass softwareseitig unterschiedliche Produkte miteinander kombiniert werden. Die Vernetzung, wie sie z.B. über Social-Media-Kanäle längst gesamtgesellschaftlich funktioniert, muss also nicht nur innerhalb von Unternehmen vorangetrieben werden, sondern weit darüber hinaus.

Bildquelle: Bundesarchiv (102-12250)

Related Posts